Endlich sind wir in Halle! Es ist eine herrliche Stadt, deren Schönheit in ein-, zwei-, dreistöckigen Gebäuden versteckt ist. Unterwegs vom Bahnhof sahen wir ab und zu die Häuser des 19. und 20. Jahrhunderts. Wir sind auf jeden Fall in Europa!

Nachdem wir uns an den Denkmälern alter Baukunst geweidet hatten, stellte ich unseren Organisatoren Fragen zur Geschichte der Stadt. Als Antwort erzählten sie mir die Legende von einem Schwein, eine der tausend Legenden über das Entstehen der Stadt.

Vor langer Zeit, als dieses Land wild und leer war, trieb hier ein Hirt seine Schweine. Es gab viel Futter und viel Schlamm hier. Und einmal sah der Hirt auf den Rippen eines seiner “Günstlinge” etwas Glänzendes, so wie die Sterne am Nachthimmel. Als der Mann näher kam, war er sehr erstaunt. Das waren Salzkristalle im Fell. Damals war Salz einen guten Batzen Geld wert.

Im Jahre 806 wurde der Ort als “Halle” erstmal genannt. Dieses Wort stammt aus dem Keltischen und bedeutet “salzreicher Ort”. “Weiβes Gold” bestimmte das Schicksal der Stadt. Halle blieb dank den Quellen der lebenswichtigen Speisewürze immer reich und blühend. Allerdings führte die Entwicklung der Salzwirtschaft durch den Bau von Chemiewerken in der DDR-Zeit zur ökologischen Zerstörung.

Im 9 Jh. gründete Karl der Groβe in Halle eine Festung – zum Schutz der östlichen Grenzen des Frankenreichs. Zur Stadt wurde die Siedlung dann im Jahre 981 beim Kaiser Otto II. Und er gab Halle zum Erzbistum Magdeburg in Obhut.

Im Jahre 1680 fiel Halle an das Kurfürstentum Brandenburg und wurde mit diesem ein Teil des Königreichs Preuβen.

Mit der Zeit ging Preuβen in Rauch und Dunst auf, aber Halle blieb glücklicherweise stehen. Übrigens sonnte sich die Stadt immer in der Gunst des Schicksals – als Amerikaner im April des Jahres 1945 “skrupulös” alle deutschen Städte mit Bomben bewarfen, wurde der Angriff auf Halle wegen eines Unwetters abgestellt. Und Halle blieb so, wie es jetzt ist. Das historische Zentrum erlitt keine großen Schäden. Im Unterschied zu Leipzig, das 40 km entfernt ist, wo nur ein paar Gebäude unbeschädigt blieben.

Allerdings: bei der Wahl der Hauptstadt von Sachsen-Anhalt im 20 Jh. halfen Halle keine historischen Denkmäler, keine Bevölkerungszahl (Halle ist die Stadt mit der höchsten Bevölkerungsdichte in den neuen Bundesländern), keine groβe Universität und ihre zahlreichen Forschungsinstitute. Die Geschichte schlug hier einen Bogen und Halle war wiederum Magdeburg hörig. Aber darüber redet man hier nicht gerne…

Außerdem wurde einen Ausweg gefunden: Der Titel der Kulturhauptstadt ist immer ehrenvoller als einfach die Hauptstadt zu sein. Ein kultureller Gruβ!!

Anmerkung:
Halle(Saale) – eine Stadt in Deutschland. Mit etwa 232.000 Einwohnern (2007) ist Halle die bevölkerungsreichste Stadt des Bundeslandes Sachsen-Anhalt. Die Zahl der Studenten beträgt mehr als 18.000. Halle ist ein Verkehrsknotenpunkt, u. a. durch den Binnenhafen. Hier liegt das Zentrum der Chemiewissenschaft, hier werden Braunkohleablagerungen und Kalisalzablagerungen gefördert. In Halle arbeitet man im Maschinenbau ( u.a. Werkzeugmaschinen- und Waggonbau ), in der Nahrungsmittelindustrie (v.a. Zuckerindustrie) sowie in der Pharma-, Zement- und Holzindustrie. Die Stadt ist eines der Printmedienzentren des Landes. Hier gibt es die Nationale Akademie der Wissenschaften(seit 1652), die Universität (seit 1694), den Zoo und das Landesmuseum für Vorgeschichte.

Partnerstädte
• Oulu (Finnland) seit 1968
• Coimbra (Portugal) seit 1974
• Linz (Österreich) seit 1975
• Grenoble (Frankreich) seit 1976
• Karlsruhe (Baden-Württemberg) seit 1987
• Hildesheim (Niedersachsen) seit 1992
• Ufa (Baschkortostan, Russland) seit 1964

Julia Baydzhanova, Sofya Kovalenko, November 2009