Baschkortostan…

…ist eine Republik im östlichen Teil des europäischen Russland und hat circa vier Millionen Einwohner. Von den 113 in Baschkortostan heimischen Nationalitäten macht das Turkvolk der Baschkiren allerdings nur ca. 30 % aus. Weitere große Volksgruppen sind Russen (36 %), Tartaren (24 %) sowie Tschuwaschen, Mari und Ukrainer. Die Mehrheit der Bevölkerung bekennt sich zum sunnitischen Islam, daneben finden sich orthodoxe und evangelische Christen. Offizielle Amtssprachen sind Russisch und Baschkirisch.

Die Hauptstadt der Republik Baschkortostan heißt Ufa. Sie liegt an der Mündung der Flüsse Ufa und Djoma in die Belaja, circa 100 Kilometer westlich des Uralgebirges und hat etwas mehr als eine Million Einwohner.

Geschichte

Erstmals schriftlich erwähnt wurden die Baschkiren in einem Reisebericht aus dem 10. Jahrhundert, in dem vom Volk der „Basqort“ berichtet wird. Um 1220 unterwarf Dschingis Khan die baschkirischen Stämme und sie blieben bis Mitte des 16. Jahrhunderts unter mongolischer Herrschaft.

Vor allem weil sich die baschkirischen Völker von den umherziehenden Nomadenvölkern bedroht sahen, schlossen sie sich in der Zeit von 1554 bis 1557 nach und nach der militärischen Großmacht Russland an. Russland gewährte den Baschkiren weitgehende Autonomie, Religionsfreiheit und ein Besitzrecht auf Grundlage der Erbfolge. Die Baschkiren stellten Russland in verschiedenen Kriegen ihre kämpferischen Fähigkeiten zur Verfügung – beispielsweise trugen sie 1612 dazu bei, Moskau von den Polen zu befreien. Als Teil der russischen Armee in den Befreiungskriegen gegen Napoleon, belagerten sie 1814 Hamburg. Davon zeugt noch heute eine spezielle Gedenkschrift für die baschkirischen Regimenter am Völkerschlachtdenkmal in Leipzig.

Anfang des 17. Jahrhunderts begann der russische Adel, sich in Baschkirien niederzulassen, Burgen und Betriebe zu errichten. Als die Steuern und der Umfang der Arbeitsverpflichtungen durch die Russen wuchsen und zudem noch versucht wurde, die Muslime Baschkiriens zu christianisieren, nahm der Unmut in der Bevölkerung zu. Daraufhin kam es zwischen 1616 und 1711 mehrmals zu kleineren Aufständen, die allesamt niedergeschlagen wurden.

Anlass zum großen Aufstand gaben die Repressionsmaßnahmen Russlands gegen die Ural-Kosaken 1772. Alle Völker Baschkortostans unterstützten diesen Aufstand, und so mündete er in den Bauernaufstand 1773–1775 unter der Führung des Don-Kosaken Jemeljan Pugatschow. Zum Helden Baschkortostans wurde in diesem Aufstand der Baschkire Salawat Julajew, der an der Seite Pugatschows kämpfte und zur Freiheit Baschkiriens und zur Freundschaft zwischen Baschkiren und Russen aufrief. Sein Name und seine Lebensgeschichte wurden von der russischen Obrigkeit nach seiner Gefangennahme verdammt. Heute ist eine Großstadt in Baschkortostan nach ihm benannt, und seine Reiterfigur ziert sowohl das Staatswappen Baschkortostans als auch die Stadt Ufa in Form eines großen Denkmals.

Das Zarenreich, erschrocken von den Dimensionen des Aufstandes, änderte seine Politik hinsichtlich der Autonomie der baschkirischen Bauern ein wenig, doch es blieb im Allgemeinen bei der Unterdrückung. Im Zuge von Landreformen wurden die Gebiete der Gouvernements Russlands neu eingeteilt, und die Baschkiren verloren einen Großteil ihrer Ländereien an Nachbarregionen, sowie an den russischen Adel und die orthodoxe Kirche. Anfang des 20. Jahrhunderts besaßen sie nur noch 20 % ihrer ursprünglichen Gebiete.

In den Wirren nach der Oktoberrevolution Ende 1917 erklärte sich Baschkortostan für unabhängig. 1919 wurde Baschkortostan zu einer Autonomen Sozialistischen Sowjetrepublik (ASSR) innerhalb der Russischen SFSR.

Im Zweiten Weltkrieg erfolgten in großem Stil Umsiedlungen von Industriebetrieben aus dem Westen der Sowjetunion an den Ural. Dies stellte eine gewaltige Investition der damaligen Sowjetunion in die Wirtschaft Baschkortostans dar. Damit einher ging aber auch eine gewaltige Umweltzerstörung, bei der unter anderem große Löcher in die ausladenden baschkirischen Waldgebiete gerissen wurden.

1980 formierte sich eine Bewegung zur Verbesserung des politisch-rechtlichen Status und für ein autonomes Baschkirien. 1990 erklärte Baschkirien ein zweites Mal seine staatliche Unabhängigkeit. Im Folgenden wurde ein Einigungsvertrag zwischen der Republik Baschkirien und Russland unterzeichnet, in dem Russland die Souveränität Baschkiriens teilweise anerkannte und ihm weitgehende Autonomierechte zugestand.

Die Hauptstadt Ufa wurde 1574 als Festung und damals östlichste Befestigung Russlands gegründet. Zu dieser Zeit gab es auf dem Gebiet des heutigen Russland nicht eine einzige Stadt, die östlicher lag. Fast gleichzeitig wurde die Festung "Ufa" genannt, wahrscheinlich vom alttürkischen Wort "Ufak", was "klein" bedeutet.

Allmählich verwandelte sich Ufa von der Militärstadt in ein wirtschaftspolitisches und Verwaltungszentrum. 1759 wurde in der Stadt durch Blitzschlag ein Feuer ausgelöst, das die Holzfestung und weite Teile der Stadt zerstörte. Nach dem Bauernkrieg 1773-1775 büßte Ufa endgültig seine Bedeutung als Festung ein und wurde 1802 zur Gouvernementsstadt.

Während des Zweiten Weltkrieges wurden etwa ein Dutzend industrieller Großbetriebe, viele Behörden und eine Reihe von wissenschaftlichen Instituten nach Ufa evakuiert. Weiterhin bestand hier das Kriegsgefangenenlager 319 für deutsche Kriegsgefangene des Zweiten Weltkriegs. Im Juni 1949 verabschiedete der Ministerrat der Republik einen Generalplan zur Rekonstruktion und Entwicklung der Hauptstadt Baschkortostans an. Seit dieser Zeit begann wahrscheinlich die Entstehung des heutigen Ufa.

Wirtschaft

Baschkortostan gehört zu den 10 wirtschaftlich am stärksten entwickelten Regionen Russlands. Die Republik ist reich an Naturschätzen. Unter anderem gibt es beträchtliche Vorräte an Gas, Kohle und größere Erzvorkommen. Der Hauptschatz Baschkortostans ist Erdöl, das seit 1932 gewonnen wird und die wirtschaftliche Struktur der Republik in bedeutendem Maße bestimmt hat. Bis heute sind die Erdölförderung und -verarbeitung Schwerpunkte der baschkirischen Wirtschaft, ebenso wie der Maschinenbau sowie die Agrar- und Bauwirtschaft.

Die Republik Baschkortostan belegt den 3. Platz bei der Erdölförderung in der Russischen Föderation und den 1. Platz bei der Erdölverarbeitung. Insgesamt geht die Erdölförderung tendenziell zurück, und die relative Bedeutung der Ölverarbeitung nimmt zu.

Nördlich der Hauptstadt Ufa befinden sich Betriebe des größten petrochemischen Unternehmens Europas. In Neftekamsk, rund 270 km nördlich von Ufa, produziert der zweitgrößte Omnibushersteller Russlands, die Firma NefAZ.

Nach Deutschland exportieren baschkirische Betriebe vor allem Produkte der Brennstoffindustrie, Metalle und Metallerzeugnisse. Aus Deutschland importiert Baschkortostan Maschinen, Anlagen, Transporteinrichtungen. Im Jahre 2006 hat der Außenhandelsumsatz der Republik Baschkortostan mit Deutschland ca. 147 Millionen Dollar betragen, wobei 74,3 Millionen Dollar auf den Export und 72,4 Millionen Dollar auf den Import entfielen. Deutschland ist der Hauptinvestor in die Wirtschaft Baschkortostans. Die akkumulierten Investitionen aus Deutschland betrugen am 1. Januar 2007 68 Millionen US-Dollar.
Quelle: IHK der Republik Baschkortostan